Eine Hymne auf das Fichtehaus

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In diesem Haus zu leben ist wie ein Wolke-7-Trip, der nicht endet. Es ist wie total verknallt zu sein – nur eben in ein ganzes Haus. Hier lachen und weinen wir, erleben jeden Sonnenaufgang und jeden Mond zusammen.

Dieses Haus lebt, oh ja, und wie es lebt!

Hier wird künstlerisch gekocht, majestätisch minimiert (den ökologischen Fußabdruck), schillernd geschrubbt, brummend gebohrt, märchenhaft missverstanden, pünktlich geputzt, laut geliebt, erfrischend engagiert, traubenhaft geteilt, wohlriechend gewohnt, zärtlich gezankt.

In diesem Haus gibt es Dinge, über die andere nur reden: Feingefühl, Empathie, Nächstenliebe, Engagement, Sympathie, Tiefgang, Großzügigkeit.

Ja, vielleicht läuft auch hier nicht immer alles wunderbar phantastisch perfekt. Auch hier ist nicht alles gold, was glänzt – oder besser anthro, was bunt ist und Abbe-Ecken hat. Manchmal braucht’s eben mal einen kleinen Tritt – per Erinnerungszettelchen, per gewaltfrei-kommunikatives Gespräch oder per Mail über den Verteiler.

Wir alle müssen uns immer wieder an der eigenen Nase packen: Das Revier in der Bib nicht markieren wie die Touris auf Mallorca. Klopapier auffüllen – so ganz im Sinne der Nächstenliebe. Orte krümellos verlassen. Flure passierbar machen. Eine After-Party-Party feiern, wenn der Abend davor sichtlich genossen wurde. Ehrlich sein, wenn mal was schief geht. Verantwortung übernehmen. Ein Teil sein des bienenstockartigen Gewusels jeden zweiten Montagabend. Teilnehmen am Leben an dem Ort, an dem wir wohnen. Denn wir alle leben hier!

Unsere Küchen erzählen Geschichten. Die beginnen meist morgens um 7 mit Haferflocken und enden nachts um 5 mit containertem Teig mit Knoblauch- und Essiggurkenfüllung. Die Küchen erzählen Geschichten von Safrankeksen, veganen Würstchen, selbstgemachtem Sushi, Instant-Spaghetti, Tiefkühlpizza, Kuchen mit dem gewissen naturbelassenen Etwas, grenzwertigen Pilzen, experimentellen Gemüsepfannen mit unbekannten Zutaten, Schweinebraten mit Spätzle von der Mama. Hier gibt’s keine frittierten Küken ohne Kopf, sondern Linsen – morgens, mittags, abends und nachts. Bei uns gibt’s Gemüse und Obst aus der Kiste und Schlaraffenland-Berge aus Schokolade – ganz fein mit Waschpulver überzogen.

Und dieses Haus leben von jedem einzelnen von uns! Von unseren Geschichten, unseren Leidenschaften, unseren Überzeugungen, unseren Fähigkeiten. Es lebt von jedem einzelnen von uns! Und darauf dürfen wie stolz sein und dankbar, weil unsere Selbstverwaltung uns Raum bietet, uns zu entfalten.

Aber es bedeutet auch Arbeit! Klar, es ist einfach und verlockend sich bei 69 Leuten zu verstecken und froh zu sein, dass es niemand merkt. Aber das ist nicht das, was uns ausmacht. Was wir hier haben ist ein Geschenk. Ein riesiges Privileg.

Dieses Haus lebt von jedem einzelnen von uns! Von Menschen, die gerne bauen, von denen, die gerne programmieren, analysieren, forschen, rechnen, erschaffen, von denen, die gerne zeichnen, spielen, lesen, Musik machen, reden, Kerzen anzünden, von denen, die gerne singen, in den Arm nehmen, tanzen, feiern, lachen, von denen, die gerne nachdenken, Tee trinken, demonstrieren, reisen, sich auspowern, lernen, telefonieren, teilen, schweigen, meditieren – leben!

von Hannah Köninger


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